TFP – Time For Pornography?

Heute krame ich mal ein altbekanntes Phänomen aus der Kiste. Vor kurzem traf ich einen Bekannten, der mir von einer kürzlichen negativen Shootingerfahrung erzählte, sofort konnte ich ihm natürlich auch etwas von meinen Erfahrungen berichten.

Vorab, für alle, die nicht wissen was TFP bedeutet:
TFP = Time For Photos, also gänzlich unentgeltlich – jeder Beteiligte bringt seine Arbeit kostenlos mit ein und erhält dafür das Ergebnisbild zur verfügung und kann damit für sich werben.

Mein erstes Shooting war im Jahre 2008, ich war selbst nie das Model, sondern die Designerin, die die Kleidung sponserte. Natürlich war ich immer gerne selbst dabei, habe assistiert und nach dem Rechten geschaut. Doch auch mir entglitt ab und an,…so einiges.

So auch bei einem Shooting an dass ich mich zu gut erinnere. Den Fotografen lernte ich wenn ich mich recht erinnere über die Modelkartei oder ModelMayhem kennen. Ich bekam die Anfrage für das Shooting und sagte ohne mich richtig zu informieren einfach zu. Ich wartete am verabredeten Ort mit einer Kiste voller Kleidung und Accessoires auf Fotograf und Model. Aus der Ferne sah ich eine platinblonde Dame auf mich zukommen. Sie war sehr schlank, Solarium-gebräunt, mit (leider schlechten) Tätowierungen übersät. Ich erschrakt etwas, denn ehrlich gesagt hatte ich DAS nicht erwartet. Und versteht mich nun nicht falsch – sie war wahnsinnig nett und wir haben uns gut verstanden und gut unterhalten., dennoch hätte ich spätestens an dieser Stelle abbrechen sollen, denn das Model entsprach weder meinen Vorstellungen, noch der Beschreibung des Fotografen noch passte sich zu meiner Kleidung und meiner Stilrichtung. Aber ich zog es durch. Wir shooteten in einer verlassenen Lagerhalle. Anfangs noch bekleidet, doch irgendwann kam dann die berüchtigte Frage „Magst du nicht dein Oberteil ausziehen? Ich mache natürlich nur ästhetische Fotos von dir!“ ich glaube, die Erklärung des Fotografen war schon überflüssig, denn es dauerte keine Sekunde, da waren die Klamotten weg und das Model saß mit entblößtem Oberkörper vor uns. Ihre Silikonbrüste schauten in sämtliche Himmelsrichtungen. Ich war absolut schockiert. Ich bin nicht prüde – finde den weiblichen Körper sogar wunderschön! Leider war zu erahnen, dass die Ergebnisse alles andere als „ästhetisch“ sein werden. Ich ging also nach Hause mit diesem Gefühl, dass hier irgendwas nicht ganz richtig lief. Bereits einen Tag später erhielt ich ALLE Rohdateien des Fotografen. Ein Graus….ich ahnte es! Und was hatte ich davon? Einen kompletten Tag verschwendete Zeit, schlechte Fotos, die ich weder verwenden konnte noch wollte.

Ich kann euch sagen, das war weiß Gott nicht meine einzige derartige negative Shooting-Erfahrung! Ich hatte so einige, sogar eine, bei der mich das Model weinend im Badezimmer ansprach und mir sagte sie fühle sich mit dem Fotografen mehr als unwohl. Doch warum erzähle ich das? Bestimmt nicht um über besagte Models und Fotografen zu lästern! Nein, ich erzähle das, weil wir wohl alle nicht frei von negativen Erfahrungen bei Shootings sind. Wie kann man das vermeiden? Mein Fehler war definitiv, dass ich nicht auf Qualität achtete. Ich habe mich nicht ausgiebig informiert, weder über Fotograf noch Model. Ich war naiv und freute mich über gratis Fotos!

Wenn man am Anfang steht freut man sich über jede Anfrage. Man weiß noch nicht richtig was „gut“ und was eher „schlecht“ ist,…generell ist es ja auch Ansichtssache und vor allem Geschmackssache und gleichzeitig bin ich der Meinung dass es gewisse Standarts gibt, auch in der Fotografie, an der man erkennen kann ob ein Foto/Fotograf gut oder schlecht ist.
Lasst mich gleich sagen, teures Equipment machte lange keinen guten Fotografen! Ich kenne Fotografen/innen die mit einer Standartkamera wahnsinnig tolle Ergebnisse erzeugen und Fotografen, die sich mit den neusten Modell brüsten und dennoch nur ein 0815 Foto schießen. Man muss definitiv ein Auge dafür haben und auch die Leidenschaft!

Ich möchte dir hier ein paar Tipps geben, wie du möglichst negative Erfahrungen dieser Art vermeiden kannst und um das direkt klar zu stellen – ich möchte hiermit keinesfalls suggerieren, dass TFP = schlechte Qualität bedeutet 😉

 

Meine Tipps an Newbie-Models / so enttarnst du unseriöse Fotografen:

  • Erfahrungen sammeln:
    Du kannst 100 TFP Shooting haben, wichtig sind nur die, die von Qualität sind. Das bedeutet, wähle das Team mit Bedacht!
    Was nutzt die Erfahrung von 100 Shootings, wenn die Ergebnisse schlecht sind? Wichtig ist, dass du mit Leuten arbeitest, die dich weiter bringen. Deine Sedcard ist deine virtuelle Visitenkarte – diese entscheidet ob du auch als Pay Model gebucht wirst oder in der Masse der Amateurmodels untergehst.
  • Erster Schritt: Der Blick in die Sedcard:
    Du bekommst eine Anfrage – Schritt 1 ist IMMER der Klick auf die Sedcard des Fotografen. Hat er keine recherchiere, lass dir seine Website Adresse geben und/oder Facebook Seite. Wichtig ist, dass er möglichst viele Fotos online hat, nur so kannst du vergleichen. Wie man immer so schön sagt „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“, bietet dir der Fotograf 1-2 gute Bilder, heißt das lange nicht, dass das er nur tolle Fotos schießt! Gefällt dir nicht was du siehst? – Dann sage höflich ab! Es ist dein gutes Recht Anfragen abzulehnen 😉
  • Lernt euch kennen:
    Hast du einen Fotografen gefunden, mit dem du gerne arbeiten möchtest? Schreibe oder Telefoniere vorab ausgiebig mit dem Fotografen! Seid ihr euch sympatisch ist es empfehlenswert sich an einem öffentlichen Ort zu treffen und das gemeinsame Shootingprojekt zu planen und alles zu besprechen.
  • Nicht ohne Vertrag!:
    Shoote niemals ohne Vertrag! Egal ob TFP oder Pay, lass dich nicht auf ein „ach wir können das doch so machen“ ein! Ein Vertrag ist wichtig und schützt dich im schlimmsten Fall auch vor rechtlichen Schritten. Lass dir den Vertrag vorab zuschicken und stelle Fragen wenn dir etwas unklar ist! Es sollte immer abgeklärt sein zu welchem Zweck die Fotos verwendet werden dürfen und welche Rechte du als Model hast. Kann oder will dir der Fotograf keinen Vertrag vorlegen könnte etwas faul sein – es gibt keinen Grund, warum er dir einen Vertrag verweigern sollte!
  • TFP ist nicht alles!:
    Hast du ein ungutes Gefühl bei der Sache, dann lass es! Wir sollen auf unser Bauchgefühl hören und oftmals bewahrheitet sich ein solches Gefühl. Ist dir irgendetwas suspekt hat es keinen Sinn ein Shooting durch zuziehen, nur weil es gratis ist! Wenn du dich nicht wohl fühlst wird man das auf den Fotos sehen, und das werden Fotos sein, die du dir nicht gerne anschaust, geschweige denn veröffentlichen möchtest! TFP ist längst nicht alles und es gibt massig seriöse Fotografen, mit denen du wundervolle Ergebnisse erzielen kannst. Und wenn es ein bezahltes Shooting ist, manchmal müssen wir auch Geld investieren um Qualität zu erhalten 😉
  • Unseriöses Angebot/Belästigung?:
    Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass viele Fotografen (besonders männliche) die Situationen schamlos ausnutzen. Sie erzählen dir was für ein tolles Model du doch bist und wie hübsch du bist – diese Punkte möchte ich an dieser Stelle gar nicht anzweifeln, doch versuchen dich viele dann zu überreden dich doch auch mal mit weniger Kleidung zu ablichten zu lassen. Natürlich alles gaaanz professionell und ästhetisch! 😉 Ja, sicher. Doch warum wird ein Shooting ausgemacht und solche „Ideen“ erst vor Ort unterbreitet? Warum nicht vorab besprechen was man vor hat. Wichtig ist doch, dass sich alle wohlfühlen! Bekommst du bereits vorab ein unseriöses Angebot, verpackt in einem „wir könnten dann auch solche Fotos machen, wenn du möchtest“ – lass es! Das ist ein Fotograf, mit dem du nicht arbeiten möchtest. (Bist du auf Akt/Teilakt Aufnahmen aus, ist das etwas anderes) Fühlst du dich bedrängt oder fasst dich der Fotograf gar an, weise ihn zu Recht! Reagiert er nicht oder belächelt es solltest du spätestens an dieser Stelle abbrechen!
  • Schlechter Ruf?:
    Hat der Fotograf einen schlechten Ruf? Informiere dich über ihn! In Zeitalter von Facebook und Co. ist es recht einfach herauszufinden ob ein Fotograf Dreck am Stecken hat! Vieles wird heutzutage öffentlich gemacht, die Menschen teilen ihre Erfahrungen gerne online. So sollte leicht für dich erkennbar sein, ob da was im Busch ist. Aber Achtung: natürlich gibt es immer schwarze Schafe, auch unter den Kommentaren – vielleicht war der Kommentator gekränkt und hat deshalb eine Rache-Rezension geschrieben!? Suche nach weiteren „Betroffenen“ oder stelle den Fotografen zur Rede, befrage ihn zu dem was ihm da vorgeworfen wird. Auch hier gilt: bist du dir unsicher und hast ein ungutes Gefühl, lass es lieber.

Ich hoffe diese Tipps helfen dir etwas weiter!

Lass mich gerne wissen welche Erfahrungen du bisher gesammelt hast – egal ob negativ oder positiv – vielleicht hast du ja noch ein paar Tipps, die man ergänzen könnte! 🙂
xx CvC

 

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