Der erste Post, oder „was nun?“

Da sitze ich nun, an meinem ersten Eintrag. Und jetzt? Was soll ich schreiben? Muss der erste Eintrag etwas ganz Besonderes sein? Ich fühle mich gerade, als würde ich meine Blog-Unschuld verlieren *lach*

Aber mal im Ernst, was könnte ich schreiben, was hier nicht schon irgendwo steht? Was ist es wert, darüber zu schreiben? Ich habe mir vorgenommen auf dieser Seite ein wenig von meinem Alltag zu berichten. Das bedeutet nicht nur von der Fotografie. Warum? Mein Haupt „Job“ ist mein Modelabel. Damit verdiene ich meine Brötchen. Nachdem ich mein Hobby, das Nähen, zum Beruf gemacht habe fehlte mir etwas essentielles in meinem Leben. Ein Hobby! Ich war schon immer ein Mensch, der kreativ ist, spontan und am liebsten alles können möchte und alles probieren möchte. Gut, vieles hat auch nicht geklappt und ja, all diese „Versuche“ haben wahrscheinlich wahnsinnig viel Geld gekostet (sorry Mama!) und dann das. Man ahnt nichts böses und plötzlich, nach zig Jahren merkt man, „Hey, ich glaube was ich da mache, macht mir extrem Spaß und ich glaaaaaauuuube, so fühlt sich ein Hobby an!“ Quasi heimlich, still und leise hat sich die Fotografie in mein Leben geschlichen!

Ich begann mit dem Knipsen bereits mit der Gründung meines ersten Labels  – musste ich ja auch, denn irgendwie mussten die Artikel ja ins Internet kommen und als junge Starterin ohne „richtigen“ Job, aber mit einem Sack voll Motivation und vielleicht auch Naivität hatte ich natürlich kein Geld meine Kleidung professionell fotografieren zu lassen. Also Digicam gekauft (es war eine silberne Olympus, total klobig und schwer, man musste 4(!!) Batterien einlegen, die immer leer waren, wenn man die Kamera brauchte) weißes Bettlaken an die Schranktür gehängt (ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen!), Halbschalen-Büste bei eBay ersteigert und an die Schranktür gehängt und los ging die Knipserei! Was dabei heraus kam? Sagen wir es so: ich wundere mich heute noch, dass Menschen tatsächlich bei mir gekauft haben. Mit diesen schlechten Artikelfotos, auf denen man nicht wirklich Details erkennen konnte. Aber es war so. 🙂

2011 schlug ich ein neues Kapitel auf. Ein neues Label. Mit Struktur. Einem Plan. Einem Konzept. Da war es dann, MISS LOVETT. Handgefertigte Rockabilly Kleidung. Das wird den Leuten gefallen! Also, Freundin angerufen und los ging es. Dieses mal wich das Bettlaken einem billigen Hintergrundsystem mit weißem Fotokarton, welches ich auf eBay ersteigerte. Freistellen mit Photoshop? Fehlanzeige! Jahrelang habe ich wie ich es von Beginn an im Ulead Photo Express gelernt hatte, um die Person mit einem weichen, weißen Pinsel gezeichnet. Neu war hingegen für mich das Verflüssigen-Werkzeug. Sehr interessantes Teil sage ich euch 😉
Die Kleidung fand großen Anklang und nachdem ich mit diversen Fotografen und Models gearbeitet habe, dass ich mal mehr, mal weniger zufrieden mit den Ergebnissen war. Mal war die Kleidung nicht ideal in Szene gesetzt, mal war sie unvorteilhaft zu sehen etc. Ja, ich bin da perfektionistisch. Vielleicht auch etwas pingelig. Aber nur mit guten Fotos verkauft man sein Produkt nun mal.

Jasmin / Tragic Kingdom Tattoo
Jasmin, mein erstes Opfer für die Artikelfotos | 2016 Model: Jasmin von Tragic Kingdom Tattoo Mannheim | Shirt: MISS LOVETT

Fast forward >> Inzwischen hatte ich also eine neue Kamera, eine Olympus E-450, ein stabileres Hintergrundsystem und und und. Ich begann Outdoor zu fotografieren, talentierte Models hatte ich immer zur Hand. Im JPG Format, bei Sonne mit einer Standart Aktion in PS „bearbeitet“. Hautretusche? Stempel + Hautfarbener Pinsel. Heute weiß ich es besser. Aber es ist interessant den eigenen Werdegang nochmal durchzugehen. Ich muss schon sehr lachen wenn ich auf all das zurück blicke. Gleichzeitig bin ich froh, dass es irgendwann „Klick“ (haha) gemacht hat und ich  mich, ohne es bewusst zu merken, immer mehr entwickelte. Nach meinem Shooting im Ye Auld Fellows Pub mit Lulu von Löffelstiel im Herbst 2015 traf ich auf einen Fotografen, dessen Equipment ich mitbenutzen durfte. Wir unterhielten uns und er empfahl mir eine Nikon Kamera. Geldsparend wie ich bin habe ich zum aktuellen Angebot gegriffen und mir die Nikon D3200 zugelegt mit Standard Objektiv 18 – 55mm. Ich fing also an zu fotografieren. 2016 folgten meine ersten Webinare bei diversen Fotografinen der Facebook Szene um mich in der Hautretusche zu bilden und deren Workflow zu lernen. Von Letlice kaufte ich Overlay-Packs. Bei LauraHelena ein Webinar. Schließlich landete ich bei Nina Schnitzenbaumer. Ich bestellte mir den Workflow und buchte meinen ersten Workshop – „Romantische Outdoor Portraits“ und spätestens da war es um mich geschehen. Vor Ort durfte ich das 50mm f1.8 Nikkor Objektiv eines Kollegen borgen und konnte endlich LIVE sehen, wie viel ein gutes Objektiv ausmacht. (Danke nochmal!) zusammen mit den zahlreichen Tipps von Nina hatte ich endgültig Blut geleckt und versuchte, versuchte, versuchte. Mal mehr mal weniger erfolgreich. Doch ich merkte, wenn man am Ball bleibt, kommt mehr Sicherheit, mehr Routine und der Spaß ist einfach riesengroß, wenn man ein GUTES Foto hat, dass man dann bearbeiten darf ohne es „retten“ zu müssen.

Lavendel Liebe | Shari
2016 Workshop bei NinaSchnitzenbaumer Fotografie | Model: Shari

Der nächste Schritt – Ich begann anonym unter Cookie Van Cheesecake Fotos zu posten. Auf keinen Fall sollte man MICH mit den Fotos in Verbindung bringen. Aus Angst, vor negativen Kommentaren, schrägen Blicken und vielleicht auch der Angst davor vor meinen bekannten Fotografenfreunden als „na toll jetzt fotografiert sie auch noch!“ abgestempelt zu werden. Doch, woher sollen Likes kommen? Woher Follower? Wie auf sich aufmerksam machen? Nun ja, vielleicht beginne ich doch erstmal mit meinem Freundeskreis. Also outete ich mich bei meinen Facebook Freunden und bat sie meine Seite zu liken. Nach den ersten positiven Resonanzen postete ich mehr und mehr und traue mich nun auch in diversen Gruppen und Fotografie Seiten meine Arbeiten zu zeigen und endlich habe ich verstanden, dass Fotografie Geschmackssache ist. Nicht jedem können meine Fotos gefallen und das ist in Ordnung. Jeder hat einen anderen Stil, eine andere Bearbeitungstechnik und manchen gefällt das nun mal nicht, so wie auch mir nicht alles gefällt. So ist das und so bleibt das auch.

Doch was gibt mir die Fotografie? Zum einen eine gewisse Freiheit. Ich kann ohne Zwang und ohne Druck kreativ sein. Ich muss damit nicht zwangsläufig Geld verdienen UND bin absolut uneingeschränkt. Ich lerne tolle Leute kennen, Gleichgesinnte, Models, Visagisten etc. und kann mich jederzeit an meinem PC verkriechen und an einem Projekt arbeiten und wenn ich mal nicht weiterkomme, kann ich auch 1 Woche später noch weiter daran arbeiten. Ich liebe meinen Job als Modedesignerin sehr, doch der Druck den die ganze Modeindustrie auch auf uns kleine Labels ausübt ist enorm. Man muss funktionieren, muss liefern, wird kopiert, schuftet bis zum umfallen und am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig 😉 *absichtlich vertauscht*
Wenn ich hinter der Kamera stehe ist all der Stress vergessen und das „Klick“-Geräusch und ich sind ganz alleine. Nun bin ich gespannt wohin die Reise geht. Ich freue mich!

Und nun mal ehrlich, hast du wirklich den kompletten Text meines ersten Posts gelesen? Dann lass mir einen Kommentar da und sag mir gerne wie du ihn findest. War es spannend oder hast du doch mal runter gescrollt? 😉

Egal wie – vielen Dank für deine Zeit.

xx CvC

4 thoughts on “Der erste Post, oder „was nun?“

  1. Wirklich schöne Fotos. Musste in der Mitte mal kurz scrollen, hab dann aber wieder zurück gescrollt weil ich das Gefühl hatte was zu verpassen, was wichtiges zu überlesen.., das geht ja nun auch nicht. 😉 Die Fotografie ist wirklich ein toller Ausgleich das Klicken wunderbar entspannend. 🙂 Alles Liebe für dich.

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